Pfullendorfer Altstadthäuser
Hauptstraße 24
Dieses Haus, bzw. dieser Gebäudekomplex fällt schon durch seine architektonischen Besonderheiten auf. Anders als die Nachbarhäuser steht dieses Gebäude mit der Traufseite zur Hauptstraße und bestand einst offensichtlich aus zwei Häusern, die ohne Brandgässchen aneinander gebaut worden waren – erkennbar an dem Knick in der Hausfront zur Hauptstraße hin.
Von den Bewohnern aus der frühen Zeit sind nur wenige bekannt – im ehemaligen "unteren" Gebäude – dem zum Marktplatz hin - wohnte im 15. Jahrhundert eine Familie Fluck, deren berühmtestes Mitglied ein gewisser Dr. Johann Fluck war, Professor und mehrfach Rektor an der Universität in Wien. Im oberen Haus ist für die Jahre um 1660 als Bewohner Johann Bodmar belegt, Kaufmann und Regierender Amtsbürgermeister der Stadt von 1668 – 1673.
Wann aus zwei Häusern durch Umbau eines wurde unter Änderung der Ausrichtung der Hausfronten, ist nicht belegt. Allerdings taucht mit dem ehemaligen Ratsherrn und Stadtrichter Johann Friedrich Wey im Jahr 1675 der erste Schwanenwirt in diesem Gebäude auf, so dass davon auszugehen ist, dass sich ab dieser Zeit hier das Wirtshaus zum Schwanen befunden hatte.
Eine lange Reihe von Schwanenwirten dokumentiert den Aufstieg und die Erweiterung des Hauses nicht nur zur beliebten Gastwirtschaft mit Fest- und Tanzlokal, sondern auch zum hochangesehenen Hotel – dem ersten Haus am Platze! Hier im Festsaal wurde am 30 Juni 1897 die Einführung des elektrischen Lichtes in Pfullendorf gefeiert, im Hotel übernachteten immer wieder illustre Gäste, so auch 1902 der General Paul von Hindenburg.
Mit dem Verkauf von 1937 endete nach einer über 250-jährigen Tradition als Gasthaus und Hotel die Geschichte des Schwanen. Heute erinnert nur noch der Ausleger am Haus, ein stilisierter Schwan, an diese Zeit.
Auf der Rückseite dieses Gebäudes schaute man lange Zeit nicht nur auf den Kirchplatz, sondern auch auf die dort stehende Beinhauskapelle. In dieser Kapelle wurden die Gebeine der Toten gelagert, die beim Ausheben eines schon einmal belegten Grabes ans Licht kamen. War dieses Beinhaus allerdings voll, wurden diese Gebeine wiederum in einer extra dafür ausgehobenen tiefen Grube zur endgültigen Ruhe gebettet, die leider oft auch nur vorläufig war. Mit der Verlegung des Friedhofes vor die Stadt im Jahre 1520 verlor das Beinhaus seine Funktion, zerfiel und wurde beseitigt. An seiner Stelle wurde der sogenannte Eselstall errichtet, in dem hölzerne Palmesel für die Palmsonntagsprozession aufbewahrt wurden. 1887 wurde dieses Gelände an den Schwanenwirt Walter verkauft.

