Pfullendorfer Altstadthäuser
Hauptstraße 21
Laut Schätzung von 1842 stammt dieses Gebäude in seiner jetzigen Form wohl aus dem Jahre 1733 und beherbergt das Gasthaus zum Hecht. Das Grundstück muss allerdings schon zuvor bebaut gewesen sein, denn von 1651 bis 1700 befand sich hier die Bäckerei des aus Stockach stammenden Bäckers Oswald Hiller.
Dieser hatte zwei Söhne, Josef und Christoph, die beide eine kirchliche Laufbahn einschlugen. Insbesondere der Ältere, Josef, erfreut sich unter seinem Ordensnamen Sebastian Hiller als Abt der Weingartener Benediktiner einiger Berühmtheit.
Am 5. Februar 1662 hier geboren, trat er mit 18 Jahren in den Benediktinerorden des Klosters Weingarten ein. Nach einem Studium und anschließender Professor an der Benediktiner-Universität in Salzburg wurde er mit gerade einmal 30 Jahren zum Abt der Weingartener Reichsabtei gewählt und machte sich durch die von ihm veranlasste Bautätigkeit einen Namen als "Bauabt". Nicht nur die Beendigung des Priorates Hofen, heute bekannt unter dem Namen Schloss Hofen in Friedrichshafen und der Pfarrkirche von Krumbach bei Tettnang ist ihm zu verdanken, sondern vor allem der Neubau des Klosters in Weingarten, allem voran der Bau der dortigen Basilika, des größten barocken Sakralbaus in Deutschland.
Trotz seiner hervorgehobenen Stellung im Benediktinerorden hat Sebastian Hiller zeitlebens nie seine Heimatstadt Pfullendorf vergessen und ihr nicht nur mit einem großzügigen Darlehen aus einer Notlage geholfen, sondern auch für den neu errichteten Hochaltar der Stadtkirche zwei große Gemälde gestiftet, die leider verloren gegangen sind.

