Pfullendorfer Altstadthäuser
Alte Postgasse 1
Dieser beeindruckende und große Gebäudekomplex – bekannt unter dem Namen Salmannsweiler Hof oder Salmannsweiler Zehnthof – reicht in seiner Entstehung bis ins 13. Jahrhundert zurück. Das Zisterzienserkloster in Salem – die sogenannten Salmannsweiler – gelangten damals zu Grundbesitz in und um Pfullendorf, und zu dessen Verwaltung und zur Lagerung des erwirtschafteten Zehnten errichteten sie hier einen Zehnthof auf einem von der Stadt zur Verfügung gestellten Grundstück am Obertor.
Seine endgültige Größe und Form erlangte der Zehnthof im 16. Jahrhundert, als unter den Äbten Scharpfer und Necker zuerst im Gebäudetrakt am Obertor die sehenswerte Zehnthofkapelle – auch Dreikönigskapelle genannt – mit ihrem kostbaren Dreikönigsaltar eingebaut und dann noch das große, längs der Stadtmauer befindliche Ökonomiegebäude mit seinen auffallenden Treppengiebeln errichtet wurde.
Der Altar ist ein sogenannter dreiteiliger Klappflügelaltar, dessen genaue Herkunft zwar unbekannt ist, seine Entstehung wohl Malern aus der sogenannten Ulmer Schule verdankt und daher künstlerisch sehr wertvoll ist.
Im Zuge der Säkularisation gelangte der Zehnthof Anfang des 19. Jahrhunderts in den Besitz des Fürsten von Thurn und Taxis und durch Erwerb im Jahre 1838 in den Besitz des Spitalfonds. Ab 1846 befand sich hier das Krankenhaus (damals noch Spital genannt), von 1968 bis 2024 war hier das städtische Pflegeheim.
Einem Abriss und Neubau des vorderen Gebäudeteils in den Jahren 1842 – 1845 wäre beinahe die Kapelle mit dem wertvollen Altar zum Opfer gefallen – nur durch vehementen Einspruch des damaligen Stadtpfarrers Waldbart blieb dieser Teil des Gebäudes bis heute original erhalten.

