Restaurant und Hotel öffnen in diesem Jahr

Auch in diesem Jahr hat sich die Stadt am bundesweiten Tag der Städtebauförderung beteiligt und mit dem Bahnareal ein Projekt vorgestellt, das mit öffentlichen Geldern gefördert wird. Rund 150 Bürger informierten sich über den Stand der Baumaßnahmen am ehemaligen Bahnhof und auf dem ZG-Gelände.

Die vielen Besucher, die im Lauf des Nachmittags auf die beiden Baustellen kamen, konnten sich persönlich überzeugen: Beide Vorhaben, das Restaurant, das am alten Bahnhof entsteht, und das Hotel auf dem früheren ZG-Areal, sind schon relativ weit fortgeschritten und dauern nicht mehr allzu lange. Die Familie Künstle, Bauherr am Bahnhof, rechnet im September mit der Eröffnung der „Barfüßer“-Erlebnisgastronomie und Eberhard Riedmüller, Großgastronom aus Ulm, Bauherr des neuen „Riku“-Hotels und späterer Betreiber der Gastronomie im Bahnhof, geht davon aus, dass im Spätjahr die ersten Gäste im Hotel übernachten können. Beim Tag der Städtebauförderung führten beide Investoren, Riedmüller mit Unterstützung seines Architekten Olaf Neusch, sowie Erwin Künstle, seine Frau Susanne und Sohn Jens die Besucher durch die Baustellen.

Erwin Künstle ließ die Geschichte des seit Jahrzehnten ausgedienten Bahnhofs Revue passieren. Mit dem Bahnareal erwarb die Stadt im Jahr 2009 auch das denkmalgeschützte Gebäude. 2016 erfolgte der Kauf durch die Familie Künstle, die entsprechend dem Wunsch der Stadt ein Gastronomiekonzept erarbeitete und in Eberhard Riedmüller und dessen renommierter und erfolgreicher „Barfüßer“ Hausbrauerei einen hochprofessionellen Partner und Betreiber fand. Künstle stellte zunächst den Neubau vor, der entsprechend der Vorgaben des Denkmalamts im Stil an den ehemaligen Bahnsteig erinnert. Hier entstehen auf 300 Quadratmetern Fläche der lichtdurchflutete Gastraum für 240 Personen, ein großzügiges Nebenzimmer und die Küche. Im bestehenden Bahnhofsgebäude, das natürlich gründlich saniert und verschönert wird, werden die Sanitärräume, die eigentliche Brauerei und eine Likörbrennerei mit Verkostung untergebracht. Dazu gibt es zwei Biergärten mit 300 Plätzen, einen Spielplatz und einen großzügigen Parkplatz. Insgesamt überbaut die Familie Künstle eine Fläche von 1300 Quadratmetern. „Die erste Brauerei in Deutschland in Holzbauweise“, schmunzelte Künstle.

Eberhard Riedmüller geht davon aus, dass auch bei der Pfullendorfer Barfüßer-Hausbrauerei, momentan der siebten des Ulmer Unternehmers, das Erfolgskonzept aufgeht. Er rechnet mit 100 000 Gästen im Jahr. Auf sie warten, so Riedmüller im Gespräch, täglich ab 10 Uhr eine gut bürgerliche Küche mit regionalen und saisonalen Gerichten samt Tagesessen und verschiedene Sonderaktionen. Auch beim Hotel, einem Drei-Sterne-Garnihotel mit 60 Zimmern, geht Riedmüller von einer guten Auslastung aus. „Zwischen 60 und 70 Prozent“, sagte er. Riedmüller rechnet mit Businessgästen und Touristen und verhandelt bereits über Kooperationen mit Firmen und Freizeiteinrichtungen wie dem Sigmaringer Golfclub. „Vier bis fünf Millionen“, so Riedmüller, investiert er in den Hotelneubau.

Im Vorfeld hatten Bürgermeister Thomas Kugler und Stadtbaumeister Jörg-Steffen Peter die Besucher über das Förderprogramm „Stadtumbau West“, mit dessen Hilfe das Bahnareal erworben und die städtebauliche Entwicklung der Brachfläche vorangetrieben werden konnten, informiert. Im Jahr 2007 wurde das 6,3 Hektar große Gelände von der Bahn erworben. Zunächst wurde ein Gutachten dazu erstellt, „was Pfullendorf braucht“, sagte Peter. Unter anderem sollte das die Stadt in Nord und Süd trennende Bahngleis mit seinen Brücken, an denen ständig LKWs hängen blieben, verschwinden. Danach wurde ein Architektenwettbewerb ausgeschrieben, den das Architekturbüro Schaudt in Konstanz für sich entschied. „Deren Entwurf hat die Grundlage für die weitere Entwicklung gelegt“, sagte Peter. Der Bau des Busbahnhofs war neben dem Bau des privaten Dienstleistungszentrums die erste Maßnahme auf dem Areal. Einen Teil des Geländes im westlichen Bereich erwarb der Sanitärhersteller Geberit. Der frühere Bahndamm wurde zurückgebaut. Der Kauf des ZG-Areals im Jahr 2014 und dessen Abbruch zwei Jahre später bot weitere Entwicklungsmöglichkeiten. Aktuell gibt es, so Bürgermeister Thomas Kugler, noch eine Fläche von 9000 Quadratmetern, für den es einen Interessenten gibt. „Er arbeitet bereits an einer Konzeption und wir werden uns eventuell noch in diesem Jahr einigen“, sagte Kugler, der in der städtebaulichen Entwicklung des Bahnareals auch eine wichtige Maßnahme für eine ansprechende Gestaltung des westlichen Stadteingangs sieht.